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Die Kolumne

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Unter uns ist über euch

Fernseher
Wer will da noch Fernsehen gern sehen?
Weimar soll ja das Kostbarste sein, was Thüringen besitzt. Deshalb muss man Weimar schützen.  Auch vor Fernsehsendungen wie „Unter uns“, die immer wieder aus Weimars „Felsenkeller“ live übertragen wird und Kulturschocks verabreicht.

Der Titel dieser Sendung impliziert ja schon etwas Unterirdisches, wenn nicht gar Scheintotes. Da unten – tief unter uns – wühlt noch was – und das wird von ehemaligen „Brisant“-Moderatoren nur zu gern eilig ausgegraben. Doch von „Brisant“ ist nur noch „Brie“ geblieben. Kurz: Die Show ist Käse, um nicht zu sagen, eine Freak-Show.

Hier sitzt jemand, der magersüchtig ist und in der letzten Woche über 100 Kilo abgenommen hat, neben jemandem, der ganz schnell Mundharmonika spielen kann und dazu noch Wellensittiche züchtet. Dann darf ein älteres Paar, dessen komplettes Haus mit den kompletten Kindern drin abgebrannt ist, über seinen Verlust sprechen – was die Frau mit den verlorenen Pfunden ja prima nachvollziehen kann und der Mann mit der Mundharmonika, wenn er seine Vogel-Voliére nicht richtig verschließt, ebenfalls. Hier redet man anschließend über Krebs, Hitler und Monika Hauff & Klaus-Dieter Henkler – lauter Plagen eben – in genau dieser Reihenfolge.

Wer irgendwann einen Unfall hatte und möglichst ein oder noch besser zwei Körperteile verloren hat, ist nicht nur auf dem besten Weg der Genesung, sondern auch auf dem besten Weg ins Fernsehen, wenn ihn die „Unter uns“-Redaktion nur erst ausspioniert hat. Die Themen liegen eben auf der Straße – und die „Unter uns“-Gäste auch.

Und keiner merkt etwas! Keiner schreit auf! Was nicht passt, passiert trotzdem. Das ist Fernsehen: Niemand wimmert, wenn Mist flimmert. Keiner warnt die Menschen, die hier benutzt werden, während sie unter Tränen ihre Schicksale schildern – aber nur so lange mit feuchten Augen gucken dürfen, bis die Kamera zum nächsten Opfer weiterschwenkt.

Warum eilt niemand herbei, um sie davor zu bewahren? Warum beschützt man diese Leute nicht vor sich selbst? Wäre das nicht ein Job für den Robin Hood des Senders? Um nicht zu sagen: „Ein Fall für Escher“? Obwohl – das ist schon wieder eine andere Sendung, die jetzt nur noch „Escher“ heißt.  Was auch viel besser passt, da es ja nie um die Fälle, sondern immer nur um den Escher ging.

Unter uns gesagt – ist das bei „Unter uns“ nicht anders. Hat man sich da etwa was vom Konzept abgeguckt? Und wird nun ein ganzes Programm immer mehr eingeeschert? Dann holt lieber wieder den Achim Mentzel raus – der ist wenigstens ehrlich. Und lustig. Und erzählt uns nichts vom Pferd, sondern singt von der Tanne!

(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Nr. 6/2009)

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