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Die Kolumne

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Thüringen ist toll!

Rennsteig
Ja, ich weiß, es ist jetzt zwar nicht April, aber der 15. April ist ein besonderer Tag. Nicht nur, weil an einem 15. April Leonardo da Vinci geboren wurde und der andere Leonardo, Leonardo das Cabrio, in der Nacht zum 15. April mit der Titanic unterging. Leo hin, Leo her, Leo lässig – am 15. April 1951 wurde das „Rennsteiglied“ uraufgeführt.

Ein Lied, das jeder Mensch und mancher Minister in Thüringen auf den Lippen führt. Wobei es den Politikern ruhig erlaubt ist, zu trällern „Diesen Weg auf den Höh’n bin ich oft gegangen“ – weil sie alle irgendwann wieder unten ankommen. Nicht nur beim Ski-Fahren. Aber das nur am Rande. Es ist ja Sommer.

Thüringen hat nicht nur eine tolle Hymne, Thüringen ist auch selber toll. Dafür spricht so einiges. Allein die Natur. Die spricht jetzt nicht wirklich selbst – ha, etwa durch die Blume, haha – nee, dafür ist die Natur zu abstrakt. Und abstrakte Dinge können nicht sprechen. Oder hat Euch abstrakte Kunst schon mal was gesagt? Also!

Aber ich verzettle mich. Thüringen ist toll. Nehmen wir zum Beispiel den Rennsteig. Der heißt zwar Rennsteig, aber man kann darauf auch langsam laufen. Oder die drei Gleichen – die sind gar nicht gleich. Das wird also nicht langweilig. 

Thüringen hält außerdem, was es verspricht. Hier gibt es zum Beispiel keine gefährlichen Tiere: Schon der Name „Hainich“ garantiert, dass einem dort keine gefräßigen Raubfische begegnen. Auch nicht auf dem Baumkronenpfad. Thüringen schwindelt einen also nicht an – Thüringen ist sehr direkt. Die Saalfelder Feengrotten sind echt grottig. Und der Tourist, der sich im Winter am Ski-Verleih für Abfahrt interessiert, bekommt auch eine! 

Thüringen hat Beständigkeit! Wenn auf der Wartburg viel los ist, kann es schon mal sein, dass man warten muss. Da hat sich nichts geändert – das kennen wir von früher. Da musste man überall lange auf einen Wartburg warten. In Thüringen pflegt man eben die Traditionen. Hier isst man mancherorts noch immer Hund, obwohl es längst den Nachfolger bei IKEA gibt: Hot Dogs.

Thüringen ist eben nicht trendy oder schicki-micki. Hier legt man keinen Wert auf Äußerlichkeiten. Ganz im Gegenteil: Alle tragen einheitliche Jack-Wolfskin-Klamotten, und in Südthüringen dürfen die Mädchen noch wie ihre Brüder aussehen. Niemand muss sich rasieren.

Das Thüringer Essen schmeckt hervorragend – es gibt ewig Bratwurst im Sommer und Klöße im Winter. Dafür steht der Freistaat. Fest wie eine schwarze Wurst, die zu lange auf dem Rost lag. Fest wie ein alter Kloß! Der ist unser wahres Wahrzeichen. So dass kein Thüringer Polizist sauer sein darf, wenn ihn amerikanische Besucher „Kloß-Cop“ nennen. 

Keine Ahnung, ob der Barack Obama das ausprobiert hat. Auf jeden Fall ist er nach seinem Thüringen-Besuch gesund und munter zu Hause gelandet. Und das ist die beste Empfehlung für Thüringen: Thüringen ist toll, weil man von hier wieder gut weg kommt. Was will man mehr?



(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Nr. 7/8 2009)

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