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Die Kolumne Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es: Tschau, tschau, Schorba!
Im Stau, weil polnische Laster im Winter an diesem Berg schier durchdrehten. Im Stau, weil polnische Mini-Autos im Sommer bei der langen Berganfahrt plötzlich in Flammen aufgingen. Im Stau, weil im Sommer Rentnerehepaare an diesem Berg gern überraschend die Spur wechselten und die polnischen Mini-Autos, die noch nicht brannten, oder die polnischen Laster, die im Sommer nicht mehr durchdrehten, glatt übersahen. All die anschließenden Stunden der Ruhe und der Muße und der Freude, sie nicht in Erfurt zu verbringen, gehören der Vergangenheit hat. Denn ein Tunnel soll bald schon um den Berg drum herum führen und der Schicksalsberg der A 4 wird verwaisen. Der Autoverkehr wird hier nicht mehr verkehren, die Natur wird den zubetonierten Berg zurückerobern. Orchideen werden wachsen auch in all den polnischen Autowracks, die den Weg säumen. Seltene Vögel werden hier einen zwitschern, Quellen werden zwischen dem gesplissenen Bitumen neu plätschern und Schorba hat endlich eine Attraktion: einen eigenen Naturpark. Familien werden zum Ex-Autobahnberg ihre Sonntagsausflüge unternehmen und natürlich ihre Bratwürste auf der Anhöhe grillen. Die Oma sitzt dann im Campingstuhl und schüttelt fassungslos den Kopf hier draußen stören niemanden ihre Blähungen und die kleinen Kinder spielen zu ihren Füßen das Spiel „Thüringer Landtag“ das heißt: sie schlafen. Stolz wird der Vati bei all dem Glück die Mutti antippen und auf den Nachbarhuckel weisen und sagen: „Das alles hat uns der Jagdbergtunnel ermöglicht. Und wenn nicht aus Versehen ein Stück davon abgebrochen und vor Jena-Lobeda liegen geblieben wäre, wäre er auf unserer Seite ein Stückchen länger geworden! Und dann hätten wir jetzt hier noch mehr Orchideen, seltene Vögel und vielleicht sogar Hufeisennasenfledermäuse.“ Worauf die Mutti seufzt: „Ach, Heinz-Herbert sei doch zufrieden mit dem, was jetzt da ist. Und guck mich nicht so an! Nimm lieber noch `ne Wurst!“ Vielleicht wird ja diese Idylle noch aufpoliert und Vatis Wunsch in Erfüllung gehen. Denn die, die einst die Tunnelröhre auf der A 4 vor Lobeda verloren haben, versuchen jetzt mit aller Kraft, ihre Schlampigkeit wettzumachen. Sie sammeln wie besessen in dieser Unterführung Geld, um den verlorenen Tunnelabschnitt auf der Gegenseite zu ersetzen. Wofür sonst? Dafür haben sie eine lächerliche Höchstgeschwindigkeit erfunden und blitzen nun alle Autobahnraser, die 67 km/h riskieren, so tüchtig, dass jedes Wetterleuchten vor Neid erblassen würde. Wer weiß, ob noch rechtzeitig genug Geld für den fehlenden Abschnitt am Austritt zusammenkommt?! Wer weiß, wohin dieses Geld dann tatsächlich verschwindet? Immerhin das haben mir Experten verraten soll die nächste BUGA auf dem bemoosten A-4-Tunnelstückchen vor Jena-Lobeda stattfinden. Hoffentlich geht dann kein Besucher zu sehr an den Rand. Da könnte er abrutschen und dann schaut er wirklich so richtig in die Röhre!(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Leipzig, Nr. 3/2009)
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