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Die Gagstanze

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Lasst es schillern!

Kudi mit Schillerlocke
Schiller lockt.

In Weimar wird ein Jahr lang Schillers 200. Todestag zelebriert. Ich kann den Trubel verstehen, man musste ja 200 Jahre darauf warten. Wäre Schiller eher abgetreten, hätten wir früher feiern können.

Was ich absolut nicht verstehe, ist das gruselige Motto zum Fest: „Schiller lockt“. Wohin denn? Wenn der Friedrich das noch erlebt hätte, hätte er mit der Faust auf den Tisch geschlagen, und man hätte es sofort in „Schiller bockt“ umändern können. Soll wirklich die Schillerlocke zum neuen Hauptartikel für Touristen werden, die sich daran so überfressen, dass sie rund und fett werden und Weimar überhaupt nicht mehr verlassen können, selbst wenn sie wollten?

Natürlich! Endlich keine krummen Ginkgo-Strünke mehr, die sowieso nie anwachsen, sondern geschraubtes Gebäck mit Schlabber-Füllung für alle Besucher. Gereicht von alten Bäckerinnen, die eben noch unter dem Schild „Probier’ die Pflaume“ standen und Kuchen vom Vortag anpriesen. Schiller lockt – so nicht.

Da muss man sich was einfallen lassen, Leute! Zum Beispiel könnte man den kompletten Stadtrat durch rothaarige Schwaben ersetzen. Wenn wir bei „Wetten dass?“ wären, müssten diese Schwaben außerdem alle Johann Christoph Friedrich heißen und Räuber sein. Ist bei Hartz IV eh’ nur eine Frage der Zeit, bis wieder Freischärler in den Wäldern wohnen und einen auf Robin Hood machen. Die Industrie sollte bitte ausreichend Strumpfhosen bereithalten.

Dann müssen in Weimar endlich realistische Verhältnisse einkehren. Schiller war deutlich größer als Goethe, aber die Figuren vor dem Deutschen Nationaltheater sind gleich groß. Bitte korrigieren! Wenn dafür kein Geld da ist, tut es vorerst ein Kürbis, den man Schiller auf den Kopf setzt, um seine wahre Größe zu zeigen.

Und noch ein Vorschlag: Falsch ist es, aber tatsächlich geplant, Kinder in einem Schreibwettbewerb Briefe an Schiller verfassen zu lassen. Erstens schreibt man nicht an Fremde und zweitens (und das ist für die Kinder sicher ein schwerer Schlag), Schiller wird diese Briefe nie lesen und erst recht nicht beantworten. Da bin ich mir sicher. Besser wäre daher: Jedes Kind bringt eine Taschenlampe mit in den Unterricht, wir ziehen die Vorhänge zu, und dann lassen wir es schillern.

Diese drei Ideen schenke ich der Stadt Weimar. Jungs, macht was draus! Und zum 200. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 2032 möchte ich heute schon die Frage stellen: Warum gilt Goethe immer noch als Geheimrat, wenn es sowieso jeder weiß?

(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Ausgabe 01/2005)

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