|
|
 |
Die Kolumne
Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues
für euch zurecht. Diesmal heißt es:
Sommer-Rhapsodie in Gelb
 |
  |
 |
 |

Kudernatsch sieht nicht Rot, sondern Gelb. |
 |
 |
 |
 |
Wenn der Raps quietschgelb blüht und schnuppert, ja dann fällt einem eine gefährliche Geschichte wieder ein: Wer sich in ein Rapsfeld legt und einschläft, der wacht nie wieder auf.
Ob das wirklich stimmt, weiß niemand. Weil die, die es ausprobiert haben, kann man ja nicht mehr fragen. Sicherlich werden alljährlich bei der Rapsernte so einige Dauerschläfer frei gelegt, doch um die Fruchtfolge durch solcherlei Überdüngung nicht gänzlich zu verderben und das Plansoll zu massakrieren, wird das hartnäckig verschwiegen. Auch um große Sauereien zu verhindern, bei denen ein böse verbeulter Rapsdrescher noch das kleinste Übel sein dürfte.
Ob Sommerraps, ob Winterraps japps, japps! Der süße schwere Duft betäubt so stark wie eine Überdosis 4711 an alten Frauen. In beiden Fällen wird aus einem kurzen Schläfchen ein ewiger Schlaf. Das ist Bio-Sterbehilfe. Kein Bett im Kornfeld für den, der im Raps nach vorn fällt. Schmerzfrei, sorgenfrei ein probates Mittel gegen die Überbevölkerung wäre damit also gefunden. Durchzählen die, die zuviel sind, rein in den Raps und alles wäre gut. Nicht ganz gut, denn wir leben in einer Demokratie. Der Gang in den Raps müsste schon freiwillig sein, voll liberal also. Nicht umsonst trägt das Kraut die Farbe der FDP. Wer gelb sieht, muss automatisch gähnen.
Auch das Heer der Arbeitslosen ließe sich herzlich einladen, doch mitten im Raps Platz zu nehmen, um sein Teilnehmerfeld in Tausenderschritten zu reduzieren. Jeder, der diese finale Umschulung wählt, könnte als Dank einen Teller mit Kornblumenmuster überreicht bekommen mit einem kleinen eingravierten A wie Arbeitsagentur als nette Erinnerung für die Angehörigen. Andere Arbeitslose könnten all die Entschlummerten zwischen den Kreuzblütlern einsammeln und hätten gut zu tun. Der Raps hat das Zeug zum neuen Jobwunder!
Längst macht man Rapsöl und Biodiesel aus Raps, doch das Pflänzchen hat mehr zu bieten, wie man sieht. In der Musik wurde das längst erkannt da gibt das alte Gesangsstück zum Gewächs die lang andauernde und einlullende Rhapsodie, und in unserer modernen Zeit singt so mancher Gangsta nicht nur einen, sondern gleich haufenweise
Raps. Von den verschiedenen Schreibweisen darf man sich nicht täuschen lassen: Raps dient quasi immer der Betäubung oder gar der Verdummung. Denkt nur an Stefan Raabs TV Total.
Wer sich ins Rapsfeld legt und einschläft, wacht nie wieder auf.
Ähm, oder wars doch Mohn?
(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Nr. 6/2007)
|