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Die Kolumne

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Die Queen, der Bill, das Wickie

Essender Kuder
Der Fotobeweis: Kudernatschs Geist verlässt ihn manchmal

Vor 30 Jahren erschien die Platte „God save the Queen“ von den Sex Pistols. Für Rütli-Schüler vorgerechnet: 2007 minus 3 minus 0 = 1977. Der Name verrät es: Die Sexpistolen haben eine sexuelle Revolution ausgelöst.

Mancher geht noch weiter als die Pistols und grölt bei der einen oder anderen Retro-Party laut: „God shave the Queen“. Der Königin geht’s aber gut, und rasiert wurde sie auch nicht. Soweit man das beurteilen kann, denn mehr als ein kleiner Kopf unter Hut und über rosa oder hellblauen Kostümen ist ja nie zu sehen. Die Queen läuft rum wie ein Bonbon, was die Farbauswahl ihrer Garderobe angeht. Damit dürfte sie die erste Süßware sein, die wie alte Frau unterm Arm riecht und die keiner lutschen will. So ist sie sogar punkiger als die Pistols je waren.

In Deutschland hat der Punk freilich auch ein Zuhause. Immer wächst was nach im heimischen Musikgarten. Ob Spargel oder Unkraut. Jetzt soll es sogar einen Film über die Erfolgspflanze Tokio Hotel geben – der Arbeitstitel lautet: „Kill Bill 3“. Zum Inhalt: Schwertschwingender weiblicher Fan (Code-Name: Black Mampe) nähert sich der Jungsgruppe, Highlander-Kenner ducken sich bereits ab und … Ratsch!

Aber Moment, woher weiß man, ob besagter Bill wirklich ein Junge in einer Jungsgruppe ist? An der Frisur ist das nicht festzumachen, das ist eher eine Angela Merkel aus dem Windkanal mit Systemstörung und anschließender Explosion, bei der mehrere Windforscher auf tragische Weise ums Leben gekommen sind. Und aus dem Hunger-Dünnchen-Look lässt sich auch nichts ableiten.

Wie einst schon bei Daniel Küblböck spricht der Artist das hüben wie drüben an. Neudeutsch heißt das „metro-sexuell“ – und hat rein weg gar nichts mit der U-Bahn von Moskau zu tun. Möge die in Ruhe weiterzuckeln, und mögen ihr nie zu viele Klamotten in den Schacht plumpsen!

Metrosexuell wirkt man nur ganz ohne Bartwuchs. Nun könnte man meinen, dann wäre das die Queen ja auch. Nun gut, bonbonfarben gekleidet darf der Kandidat natürlich auch nicht sein, sonst ist er gar nichts mehr und ganz aus dem Rennen. Aber das weiß jeder Willi und jeder Billi und trägt Schwarz oder irre Streifen über einem Körper, der an seiner stärksten Stelle so dick ist wie mein Handgelenk.

Metrosexuell ist bereits der-die-das Wickie aus der gleichnamigen Trickfilmserie. Ist dieses altkluge Balg mit der Piepsstimme ein Junge oder ein Mädchen – oder ein Alien? Lädt sich der Kinderkanal, der diese Serie immer wieder gern zeigt und jetzt zu seinem 10. Geburtstag erst recht, da nicht eine gewisse Grundschuld auf, wenn er seine Zuschauerinnen und Zuschauer derart sexuell desorientiert und verwirrt? Werden die nordischen EU-Mitglieder damit gar verhöhnt und noch weiter in die Ecke gedrängt, in der sie sich rein geographisch ohnehin schon befinden? „Mit Dänen nicht!“ höre ich das eine oder andere Elternteil schon rufen. „Fernseher aus und raus an die Luft!“

Im Mai beginnt ohnehin die Freiluftsaison. Der erste Mai sollte entsprechend gefeiert werden. Wer da keine Fahne hat, ist selber schuld. Ob Sexpistole oder Metronom – alle machen mit.

(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Weimar und Jena. Nr. 4/2007)

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