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Die Kolumne Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es: Piep, piep, piiiiiep!
Ausgerechnet zu Ostern sah meine Freundin hinter einem geparkten Polo eine tote Taube auf der Straße liegen. „Die müssen wir melden, oder?“ fragte sie mich unsicher. „Nee, die ist doch schon tot!“ antwortete ich. Schnell fügte ich hinzu: „Die wurde bestimmt überfahren.“ Das klang zwar wenig glaubhaft, aber überzeugte. Eine Feder in einer Reifenrille des rechten Hinterrads des Polos half. Meine Freundin verzichtete darauf, in der Stadtverwaltung anzurufen. Ich hätte auch stark bezweifelt, dass der Oberbürgermeister mit einer Schaufel bei uns angerückt wäre, um die tote Taube wegzumachen oder gar mitzunehmen. Wochentags vielleicht, aber zu Ostern? Da lässt auch ein Lokalpolitiker daheim Eier suchen. Außerdem, was sollen die im Rathaus mit einer toten Taube anstellen? Da laufen genug muntere Täubchen herum. Na gut, der Thüringer schmeißt jetzt wieder so ziemlich alles auf den Rost – befallen vom „Bazillus Grillus“ – wie unser Grillweltmeister Hans Joachim Fuchs es nennt. Aber wenn die Vögel vor die Hunde gehen, weiß das auch der Thüringer – und nimmt den Hund, ob nun nach Originalrezept aus dem Thüringer Wald oder nach asiatischer Art. Da macht man sich so seinen Reim drauf – etwa diesen hier: „Die Chinesen essen Hund/Mit Gemüse wird er bunt/Den gibt’s auch bei uns – das weiß ich/Es ist die Nummer 38.“ Guten Appetit! Unsere gefiederten Ex-Freunde bleiben allein zurück. Jemandem einen Vogel zeigen, wird zur Morddrohung, Wellensittiche sind Killer in der Küche, niemand singt mehr: „Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn.“ Keiner mag mehr ein schräger Vogel sein, es wird bloß noch geteert und nicht gefedert, die Wandervögel wollen nur noch … wandern. Jetzt im Frühjahr, wo der Winter endlich ein Häkchen hinten dran hat, schauen zittrige Kindergartenchöre ängstlich nach oben und hauchen: „Alle Vögel sind schon da“, um dann all die Namen der Verdammten runterzubeten.Mein lieber Schwan, wie soll es weitergehen? Früher warf man Brotkrumen in den Teich, heute nimmt man Ziegelsteine. Was soll geschehen, wenn am Himmel immer neue Gefahren aufkreuzen – in Gestalt von Zugvögeln? Wird Christi Himmelfahrt in diesem Jahr gestrichen? Wird die Bundeswehr ab sofort auf unseren Dächern sitzen und alles runterputzen, was vorbeiflattert? Sind Federbetten giftig? Wird „Schwanensee“ nie wieder aufgeführt? Gibt’s jemals eine Harry-Potter-Fortsetzung – oder hat sich der arme Junge längst bei seiner Eule angesteckt? Knarzt Herr Fuchs bald ohne Elster durchs Sandmännchen? Trotzig sendet der Kinderkanal aus Erfurt gerade jetzt alle 52 Folgen der „Wunderbaren Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“. Aber wo endet die? Wird der kleine Nils jemals groß? Fragen über Fragen – die großen und die kleinen Zeitungen haben sich über Wochen umfassend voll gevögelt und Rügen mit Schlagzeilen bombardiert. Das Fernsehen hat sämtliche Aspekte dargestellt, alle Röhrenknochen durchleuchtet und jede Feder umgedreht. Ja, jeder Piepmatz bekam seine MAZ, jeder Vogel seine Stimme. Nur schade, dass die Kollegen das scheinbar nicht mitbekommen haben. Sonst hätten sie längst die Flatter gemacht. Und was ist eigentlich mit den Fischen? Wer fragt, wie es denen geht? (Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Nr. 4/2006)
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