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Die Gagstanze Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es: Traut der Maut!
2005 wird toll. Ganz viel Geld fließt in die Staatskasse, und die Arbeitslosigkeit sinkt. Und alles nur, weil die Maut funktioniert. Das Spotten wird allen vergehen. Weg mit den miesen Sprüchen wie „Stolpe
in den Tagebau“! Obwohl er da einige Leute wiedertreffen würde,
die er früher selbst dorthin gebracht hat. Schwamm drüber – oder
Erde! Etwa in so mancher Arztpraxis in Erfurt, wo die schnurrbärtige Schwester eine Pappe vor sich auf dem Tresen stehen hat: „Offizielle Maut-Stelle Ihrer Krankenkasse“. Was haben wir gelacht – und was haben wir uns daran verschluckt, als dann die zehn EURO fällig waren. Da konnte sich die Schwester auch nicht mehr hinter ihrem Schnurrbart verstecken. Böse Blicke wurden ihr zugeworfen, Rentner drohten mit dem Stock, Mütterchen verstarben aus Protest direkt am Empfang. Proteststerben empfiehlt sich nebenbei auch als Mittel gegen die Überalterung der Gesellschaft und gegen die neue Rechtschreibung. Nur wer bleibt, der schreibt ... Doch zurück zur Maut. Wenn noch Kästen übrig sind oder weitere gebaut werden, sollte man sie in die Praxen hängen, gleich über die Eingangstür. Tritt eine Siechende dann ein, piepst es kurz – und schon sind die zehn EURO automatisch von der Chipkarte abgebucht. Der gläserne Patient lässt grüßen, und die Maut würde nicht nur Brummi-Fahrer, sondern alle Kranken betreffen. Aber warum darf man sich so sicher sein, dass es mit der Maut diesmal klappt? Wieso kann der Manfred beruhigt die Stolpen-Stiefel ausziehen und die Füße hoch packen? Was ist diesmal anders? Das Geheimnis liegt im manuellen System. Auf jeder Mautbrücke werden hinter jeden Mautkasten kleine Sitzbretter angeschraubt. Auf dem Kasten selbst liegen Klemmmappe und Kugelschreiber. Sechs Kästen sind sechs Hochsitze, und damit haben sechs Leute einen verantwortungsvollen Ein-Euro-Job. Die gute, alte Strichliste verhindert Pannen. Im Dreischichtsystem macht das 18 Vollzeitstellen pro Brücke. Die Arbeitlosen wären nicht wieder auf der Straße, sondern darüber. Maut II statt Hartz IV – das neue Jahr wird toll! (Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Ausgabe 12/2004)
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