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Die Kolumne

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Kindermädchenland

Licht am Ende des Tunnels
Thüringen ist das Kindermedienland. Hier wohnen Pittiplatsch und Schnatterinchen – und schaut man sich Dagmar Schipanski an, könnte auch die eine oder andere böse Königin hier hausen.  Der Wald gibt das alle Mal her!

Wie im besten Russenfilm könnte sich da jederzeit ein Waldschrat aus dem Moos erheben und ein untertiteltes Lied singen, das von Vögeln im Wald und der schönen Wassilissa erzählt. Alle Südthüringer dürfen als Komparsen mitmachen und immer gern die dummen Räuber spielen – sie brauchen ja nicht mal Kostüme dafür. Doch, es stimmt: Es ist so schön im Kindermedienland. Sogar die Schauspielern Andrea Sawatzki ist da schon in eine Märchenrolle geschlüpft und schnell wieder hinaus – und wurde nie wieder hier gesehen. Sie ist ja auch schon zu alt als Kindermädchen in den Kindermedien.

In Erfurt entsteht gleich neben der Messe pausenlos die unendliche Internatsserie „Schloss Einstein“. Altkluge Mädchen peinigen durch oberschlaues Geschwätz andere altkluge Mädchen. Die Jungs nicken dazu,  alle finden das voll okay. Denn sie haben schöne bunte Sachen an, die zur Haarfarbe passen, jeder kriegt in jedem Fach eine Eins, das Schulessen schmeckt und niemand muss wirklich schauspielern können.

Heile Welt – und wenn man da noch hört, dass auch die Thüringer Hunde neuerdings weniger beißen, geht einem regelrecht das Herz auf. Wenn doch die Thüringer Hunde nur aufhören würden, auf die Spielplätze zu scheißen… Obwohl – so kommt das geneigte Kleinkind im Osten um die Frage herum, um nun Nudossi wirklich besser als Nutella schmeckt. Es ist für immer geheilt von der Schoko-Droge!

Einige Figuren aus dem benachbarten KI.KA äugen neidisch rüber ins Kindermedienzentrum, wo die Einsteins glücklich sind. Scheinbar sind nicht alle Figuren beim Kinderkanal ausgelastet. Darum hängen sie viel in Erfurts Altstadt ab. Das Sandmännchen lümmelt auf einer Bank an der Krämerbrücke und versteckt nur mühsam die leeren Bierdosen in seinem Sack. Die Maus und ihr Kumpel, der Elefant, lungern auf einer Wiese im Fluss herum und glotzen sehnsüchtig rüber in die Szenecafés zu Tattoo-Tilo und Branding-Babett. 

Bernd das Brot hat da noch die beste Position. Er wartet am Rathaus darauf, dass man ihn mal wieder wegholt – und wenn es diesmal ins Büro des Oberbürgermeisters gehen würde! Dann wäre Bernd am Ruder – Bernd das Brot statt Bausi das Brot – und es gäbe Brot und Spiele für alle oder Brot für die Welt und Torte für Erfurt. Endlich würden die Leute erkennen, was sie eigentlich am Kindermedienland haben. Bisher merken sie es nämlich gar nicht, selbst wenn es der goldene Spatz von den Dächern pfeift. So aber würde jeder sagen: “Danke Kindermedienland, dass es Dich gibt! Kann ich bitte mitspielen?“

(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Nr. 4/2009)

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