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Die Gagstanze Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es: High im Mai
„Des kleinen Mannes Sonnenschein, sind Bumsen und Besoffensein“, lautet die Volksweise. Letzteres lässt sich im Mai überhaupt nicht vermeiden. Da gibt es haufenweise Feiertage, zu denen man sich in aller Form betrinken muss. Das fängt bereits mit dem 1. Mai an. Zur Erinnerung: Das ist der
Kampf- und Feiertag der Werktätigen. Also feiern sie, und manche
reihern. Die meisten Werktätigen haben heutzutage sowieso nichts
anderes mehr zu tun. Da ist es auch egal, dass der 1. Mai in diesem Jahr
ein Sonntag ist. Wer bei der Ollen zuhause sitzt, ist selber schuld und trägt bald selbst eine Schürze und Frauenunterwäsche und Lockenwickler. Also kriegt bitte alle den Arsch hoch! Jesus hat’s auch gemacht! Am 8. Mai – bitte nicht verwechseln mit dem 8. März, wenn alle Frauen nach übermäßigem Eierlikörgenuss im Koma liegen – ist Muttertag. Da wird jeder, der kein Stoffel ist, das Glas auf seine Mutter erheben. Und da man sie an diesem Tage tüchtig bemuttern sollte, müssen es mehrere sein. Gleich am Wochenende darauf steht das Pfingstfest an – und da heißt es auch wieder „Schluck-schluck-hurra“. Früher gab’s da noch tolle Angebote für die jungen Menschen. Die FDJ veranstaltete in den Bezirkstädten ihre Pfingsttreffen – die sogenannten ABBA-Feste. Das stand für Anreisen-Bumsen-Bumsen-Abreisen. Heute bleibt nur die Flucht in den Alkohol. Die FDJ schlägt sich als verrückte Splittergruppe durch, und ABBA gibt’s bloß noch als bunte Billig-Revue mit Perücke – und Agneta ist die Tochter von Aurora Lacasa. Nach Pfingsten folgen vielerorts die Jugendweihen. Hier wird tüchtig gebechert, denn wer in die Welt der Erwachsenen eintritt, muss gleich lernen, wie der Hase läuft. Selbst wenn der Hase eiert, taumelt oder stürzt. Der Weg ist steinig, Baby! Natürlich wird das einigen zu viel. Viele – wie ich – haben
daher Angst vor dem Mai. Besonders betroffen sind all die Rentner, die
schon einige Jahrzehnte des Monats auf dem Buckel haben. Sie verdienen
Mitleid und Plaketten, auf denen „50 Jahre Mai“ steht. Selbst
nach ihrem Tod werden sie keine Ruhe finden. Denn zu Fronleichnam wird
gewissermaßen mit den Toten gesoffen. Erst danach ist der verflixte
Mai um. Ach, wenn doch nur endlich Juni wäre! So lange singen wir: „Mai
oh Mai!“ (Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Ausgabe 04/2005)
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