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Die Kolumne

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Gegen Nackt

Ja, der Kudernatsch hat Biss!
Ja, der Kudernatsch hat Biss!

Man kann gegen rechts sein und gegen Atomkraft. Aber Kudernatsch ist gegen Nackt. Verhüllt euch bitte!

Es ist wirklich kein schöner Anblick. Vor allem weiß man am Baggersee nicht mehr, wo man hingucken soll. Überall hängen Nackte rum – nur an den Bäumen fehlen sie, obwohl sie da hingehören würden. Schaust du bei dem einen absichtlich nicht hin, sondern weg, springt dir garantiert der nächste Nackedei frontal ins Blickfeld. Entweder eine Frau, die sich scheinbar Luftmatratzenstöpsel in die Brüste hat implantieren lassen – was anderes kann das nicht sein! – oder ein Typ, der breitbeinig seine Auslage präsentiert wie an der Wursttheke. Danke, ich will keine 500 Gramm!

Was ich schon immer wollte, ist folgendes: öffentlich, unprüde und im Dienste der Wissenschaft die Unterscheidung zwischen Blutschniedel und Fleischschniedel vorzunehmen. Blutschniedel sind teleskopische Wunder und vergleichbar mit russischen Kugelschreiber zum Auseinanderziehen oder Autoantennen, die in der Karosserie stecken. Nur können sie weder schreiben noch Radioprogramme empfangen. Fleischschniedel hingegen sind so, wie sie sind, und werden nur noch hart wie überfahrene Katzen. Demnach sind sie eher etwas für Autofahrer.

So, und weil das nun wirklich nicht angenehm zu lesen und erst recht nicht anzuschauen ist, bin ich gegen Nackt. Letztlich weiß man beim Baden auch nie, was das da vorne am Wasser ist – ist das eine alte Frau oder eine Kleckerburg? Und der Mann da, wo hat der denn dieses schlabbrige weiße Schwimmtier mit den Haaren her? Ach, das ist sein Bauch!

Nackte im Schwimmbad, das ist nicht lecker. Wer weiß, wann die zuletzt geduscht haben? Es steht ja nicht dran. Auch löst öffentliche Nacktheit bei jungen Menschen große Beklemmung aus. Alle Jahre wieder fragen 14-jährige Mädchen in der „Bravo“ an: „Ich bin an einem nackten Mann vorbeigeschwommen. Werde ich nun schwanger?“ Bitte nehmt der Jugend diese Zukunftsängste – gebt ihr mit Shorts eine Chance! Stoppt nackte Volleyball-Spielerinnen am Strand, auch wenn ihren Mitspielern das Baggern viel Spaß macht! Bitte brätelt nie nackt am See! Der gemeine Thüringer packt alles auf den Rost.

Zudem müssen wir unser Vaterland unterstützen. Die marode Bademodenindustrie wird sich kaum erholen, wenn immer mehr Menschen auf ihre Produkte verzichten. Die Masche ist bekannt – denken wir nur an die Strickmoden aus Apolda. Sie sind weg, weil keiner sie angezogen hat, und nun hat Apolda den Salat. Oder nicht einmal den, weil er zu teuer ist.

Bekleidet euch in den Bädern! Zieht euch an oder zurück! Mehr ist manchmal weniger! Hardliner wickeln sich sogar im Sommer Schals um, weil sie wissen, dass sie hässliche Hälse haben. Also haltet euch bedeckt! In diesen bewegten Zeiten sollte man sich nicht zu leicht in die Karten gucken lassen – und auf den Rest erst recht nicht.

Vielen Dank fürs aufmerksame Lesen. Das war ein Beispiel für Verhüllungsjournalismus.

(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Ausgabe 07/2005)

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