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Die Kolumne
Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues
für euch zurecht. Diesmal heißt es:
Meine Kampfgans
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Gänsefleisch mal was über Hühner schreiben? |
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Wenn die Sonne lacht, lacht man gern zurück. Und damit die Sonne das auch sieht, stellt man sich dafür am besten ans Fenster oder noch besser man geht hinaus.
Draußen in Erfurt gibts einen Huckel, auf dem man der Sonne wirklich ein bisschen näher ist. Obendrein ist darauf und darum der Thüringer Zoopark versammelt. Die Freude kann also gar nicht mehr aufgehalten werden! Egal, wohin man schaut.
Also eilte auch ich dorthin, obwohl meine Begleiterin maulte, der Erfurter Zoo sei doch arg affenlastig. Sie meinte nicht das Personal, sondern in der Tat die pelzigen Gesellen, die sich dort im Affenhaus, im Affendschungel und auf dem Berberberg reichhaltig tummeln. Wie MToto, der letzte Stummelaffe seiner Art, dem aber nie langweilig ist, wie die wiederum langweilige Beschriftung behauptete.
Das Gehege vom Berberberg darf man sogar begehen. Nichts trennt mehr Tier und Mensch, und schon kann es passieren, dass sich Affe und Besucher gegenseitig am Schwanz ziehen.
Wir passierten auch die Löwensavanne, in der einer der dicken Kater unter seiner Mähne arg schielte. Oder hatte er nur ein Triefauge? Sicherlich sind dagegen Mittelchen erhältlich in der Löwenapotheke.
Und dann standen wir endlich vor ihr! Vor einem Prachtexemplar der Steinbacher Kampfgans, grau und gigantisch. Früher einmal gabs diesen meterhohen Vogel nur in Thüringen. Sicherlich hat er sich dort in kleinen Gruppen zusammengerottet, um am Rennsteig Reisende zu überfallen und auszurauben. Ich überlegte weiter. Vom Bauernhof zum Bauernkrieg ist es nur ein kurzer Weg vielleicht war auch Thomas Müntzer gar kein Mensch, sondern so ein Steinbacher Exemplar. Deshalb trug er immer diese Kappe mit den Ohrenschützern auf dem Kopf! Niemand sollte was merken, wenn ihm die Bauern im Gänsemarsch folgten
Ihr merkt es schon, der Zoo hatte mich gepackt. Ich hatte diese Kampfgans in mein Herz geschlossen und ich gab ihr einen Namen: Krissi. Wenn der Zoopark mit diesem Vorschlag einverstanden ist, übernehme ich gern eine Tierpatenschaft für Krissi.
Meine Begleiterin zupfte an mir, wir gingen weitere Tiere anschauen.
Wir sahen rallige Esel, die jedoch voneinander getrennt waren.
Wir sahen eine Nashorn-Mutti, die ihrem Nashorn-Baby auf den Kopf schiss. So was habe ich in meinem Bekanntenkreis noch nie beobachtet. Ich staunte, wie lange das Baby den nennen wir es Apfel auf der Stirn balancierte.
Wir sahen einen sprechenden Beo, der aber nicht sprach, obwohl alle immer über seine Witze lachen müssen, wie eine Tafel verkündete. Dafür redeten die Mülleimer mit uns. Sie bedankten sich höflich, wenn man ein Papierchen hineinwarf und ratterten eine Werbung runter.
Aber all dies war nichts gegen Krissi, die Kampfgans. Wenn zum Herrentag die Country-Musik im Zoo erklingt, werde ich sie zum Tanz auffordern.
(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Nr. 5/2007)
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