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Die Kolumne

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Das meiste Klo der Stadt

Kudernatsch sitzt
Im Erfurter Stadtgarten können Hundertschaften gleichzeitig aufs WC, was aber nicht heißen soll, dass das ein Scheißladen ist. Es sei denn, man wird von den Insidern als Outsider eingestuft.

Wer nicht so aussieht, als hätte er es gerade so aus dem Museumskeller zurück ans Tageslicht geschafft, hat es schwer. Geduscht, bekleidet und rasiert geht man lieber am Stadtgarten vorbei.

Denn sonst passiert es, dass man bei einem Typen, der aussieht wie eine Spitzmaus mit Dreadlocks, an der Bar ein Bier bestellen möchte und erst mal grundlos angebrüllt wird. Wahrscheinlich hat dieser Bob Marley von Vieselbach einfach nur Stress – und leider so viel zu tun, dass er sich auch nicht die Haare waschen kann. Sonst trüge er Seitenscheitel und Bomberjacke. Doch so brüllt er nicht-szenige Bierkonsumenten an, dieser Ausrasta!

Besser wäre, Bob ginge sich auf der Toilette abkühlen. Denn Toilette hat der Stadtgarten wirklich ausreichend. 50 Leute können hier gleichzeitig GROSS und KLEIN, wenn man die Waschbecken mit benutzt. Sogar 100 Leute, wenn die Damenabteilung okkupiert werden darf.

Hier kann im Akkord kacken und kotzen bei Großveranstaltungen und Fußballfeten – ganz nach Wunsch. Das fetzt! Ein Hoch für das meiste Klo der Stadt! Was für ein Output! Humus für die Landeshauptstadt! Könnte man wunderbar in das große Baustellenloch vor der Staatskanzlei umleiten und blühende Landschaften mitten in der Stadt züchten.

Erst käme es durch das ganze Vergammeln und Verwesen zu ziemlichem Mief – was aber bei der Staatskanzlei gar nicht weiter auffallen würde. Mit Biogas könnte man außerdem der EVAG helfen und Busse betanken. Aber bald gäbe es im großen Loch gut gedüngte Pracht durch Fäule, einen wahren Garten für die Stadt dank Stadtgarten – wo nicht einmal Stiefmütterchen wachsen. Ein Park vor der Staatskanzlei anstelle eines Schandflecks – obendrein gestiftet von den betrunkenen Bürgern mit körperlichem Einsatz – , es wäre so schön. „Stilles Örtchen“ sollte man diese Oase nennen! Bitte nicht „Kacki-Wäldchen“ oder „Jauche-Aue“…

„Drauf geschissen!“ – diese kräftige Redewendung würde eine völlig neue, positive Bedeutung erfahren (auch „Thüringer Wurst“), wenn da eine 500-Meter-lange Pipeline beide Brennpunkte – also Stadtgarten und Riesenloch – verbinden könnte.

Also ran! Dann muss der Mist, der rauskommt, nur noch eingefüllt werden in der Kneipe der Stadtgärtnerinnen und Stadtgärtner. Es darf nicht beim Beharken bleiben. Stoppt Bob, keine Ausrastas mehr!

Im vergangenen Sommer hat das schon ganz gut geklappt. Zu Wurst und Brätel vom Rost gab’s halbgefrorene Brötchen, und der nächste Sommer kommt bestimmt. Freuen wir uns drauf – und drücken wir nicht nur die Daumen.

Anmerkung des Verfassers: Das alles ist freilich von mir nur ausgedacht. In Wirklichkeit kann ich weder Klärgruben erklären noch Szenelokale lokalisieren. Ich habe keine Freunde, ich gehe niemals aus und ich sitze immer nur zu Hause, wo ich Mineralwasser trinke. Oder Pfefferminztee bei Mutti.

(Aus: Kudernatschs Kolumne. Unveröffentlicht)

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