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Die Kolumne

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Daggi Frettchen

Dagmar Frederic
Dagmar Frederic will uns demnächst in Erfurt Erinnerungen und Gedanken mitteilen. Bitte nicht! Bitte lieber nur singen! André Kudernatsch warnt vor einem unlustigen Abend.

Es waren einmal zwei Frauen im Osten, die färbten sich die Haare und ließen sie wie bunte Zuckerwatte aussehen. Die eine nahm das Lila – das war Margot Honecker, die andere entschied sich für ein Blond, das nicht ganz reichte, so dass ein Rest Schwarz durchschien. Das war Dagmar Frederic – und diese Frisur hat sie betoniert und trägt sie heute noch spazieren oder setzt sie vor Auftritten immer wieder auf. Vielleicht sind sich die Damen damals sogar begegnet, immerhin sang Dagmar Frederic munter in Erichs Jagdhütte, und beide Frauen durften gen Westen reisen.
Die Künstlerin sagte mir mal in der Show „Kudernatschs Kautsch“ dazu: „Na und! Es hätte ja jeder Sänger werden können. Selbst schuld, wer in der DDR nur Maurer geworden ist.“ Immerhin konnte der wiederum alle anderen einmauern.

Ja, ich gebe es zu. Ich habe Dagmar Frederic vor drei Jahren persönlich kennen lernen dürfen – und sollte sie sogar duzen! Damit konnte ich nun gleich gar nicht umgehen und fragte die Künstlerin: „Was soll ich sagen. Dagmar, Daggi oder die Koseform von Frederic, Frettchen?“ Sie schnaufte – und wir waren wieder beim „Sie“.

Humor hat sie nicht – und irgendein Schuldbewusstsein geht der „Madonna des Ostens“ (sie singt die Evita) auch komplett ab.
Alle Maurer sollten sie deswegen mit Mörtel bewerfen! Von wegen Schlagerrepublik: Hätten wir nur alle gesungen, dann hätten wir alle wie Dagmar Frederic ausgesehen und wären alle mit Erich auf die Jagd gegangen, um auf seinen Jubiläumshasen zu ballern: 40 Jahre ungetroffen.

Wie dem auch sei, keiner der versammelten Genossen legte einst das Jagdgewehr aufs Frettchen an – alte Flinte streut vermutlich. Heute muss sich das alte Eisen fürchten. Keiner der Generation 60 plus ist vor der wilden Dagmar sicher – ganz rasch heiratet sie ihn weg. Inzwischen kommt sie auf mindestens 15 gefühlte Ehen, und jede ist die Erfüllung gewesen. Mit solchen Enthüllungen füllt die Dauerbraut die einschlägigen Dummi-Heftchen.

Am Anfang schnappte sich die gelernte Apothekenhelferin nach dem Pillendrehen gern ihr Akkordeon und sang im Gasthaus. Als Club-Tour könnte ich mir das jetzt auch ganz neckisch vorstellen. Dann gewann sie im DDR-Fernsehen den Petra-Kusch-Lück-Ähnlichkeitswettbewerb und füllte nahezu jeden „Kessel Buntes“ mit nachgesungenen Westsongs, bis der Kessel überlief. Anschließend versenkte sie so manche Kreuzfahrt, und nun hat sie wieder Festland unter den Sandalen.

Warum, ihr Kreuzfahrer, habt ihr sie nicht auf irgendeiner Insel vergessen? Warum habt ihr sie nicht beim Schnorcheln weiter wegschwimmen lassen? Warum habt ihr bei jedem Ausflug gewartet, bis sie wieder da war?

Bei „Kudernatschs Kautsch“ damals hat mir Dagmar Frederic zugeflüstert: „Wenn du nicht sofort mit dem Scheiß aufhörst und richtige Fragen stellst, dann geh ich.“ Deshalb müssen nun noch ein paar Fragen folgen: Stimmt es, dass Ihre Tochter groß geworden ist und deshalb „Maxie“ heißt? Können Sie noch Pillen drehen – so als Notberuf? Ist die Frisur echt? Und Evita – ist das nicht schon Madonna?

Ich habe das alles gefragt – Antworten gab’s nicht. Dagmar sagte nur: „Sie sind nicht witzig!“ – Worauf ich entgegnete: „Dann haben wir ja etwas gemeinsam.“

Dagmar Frederic – hui oder pfui? Votet hier, was Ihr denkt!

(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Nr. 2/2006)

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