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Die Kolumne Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es: Daggi Frettchen
Es waren einmal zwei Frauen im Osten, die färbten sich die Haare
und ließen sie wie bunte Zuckerwatte aussehen. Die eine nahm das
Lila – das war Margot Honecker, die andere entschied sich für
ein Blond, das nicht ganz reichte, so dass ein Rest Schwarz durchschien.
Das war Dagmar Frederic – und diese Frisur hat sie betoniert und
trägt sie heute noch spazieren oder setzt sie vor Auftritten immer
wieder auf. Vielleicht sind sich die Damen damals sogar begegnet, immerhin
sang Dagmar Frederic munter in Erichs Jagdhütte, und beide Frauen
durften gen Westen reisen. Ja, ich gebe es zu. Ich habe Dagmar Frederic vor drei Jahren persönlich kennen lernen dürfen – und sollte sie sogar duzen! Damit konnte ich nun gleich gar nicht umgehen und fragte die Künstlerin: „Was soll ich sagen. Dagmar, Daggi oder die Koseform von Frederic, Frettchen?“ Sie schnaufte – und wir waren wieder beim „Sie“. Humor hat sie nicht – und irgendein Schuldbewusstsein geht der „Madonna
des Ostens“ (sie singt die Evita) auch komplett ab. Wie dem auch sei, keiner der versammelten Genossen legte einst das Jagdgewehr aufs Frettchen an – alte Flinte streut vermutlich. Heute muss sich das alte Eisen fürchten. Keiner der Generation 60 plus ist vor der wilden Dagmar sicher – ganz rasch heiratet sie ihn weg. Inzwischen kommt sie auf mindestens 15 gefühlte Ehen, und jede ist die Erfüllung gewesen. Mit solchen Enthüllungen füllt die Dauerbraut die einschlägigen Dummi-Heftchen. Am Anfang schnappte sich die gelernte Apothekenhelferin nach dem Pillendrehen gern ihr Akkordeon und sang im Gasthaus. Als Club-Tour könnte ich mir das jetzt auch ganz neckisch vorstellen. Dann gewann sie im DDR-Fernsehen den Petra-Kusch-Lück-Ähnlichkeitswettbewerb und füllte nahezu jeden „Kessel Buntes“ mit nachgesungenen Westsongs, bis der Kessel überlief. Anschließend versenkte sie so manche Kreuzfahrt, und nun hat sie wieder Festland unter den Sandalen. Warum, ihr Kreuzfahrer, habt ihr sie nicht auf irgendeiner Insel vergessen? Warum habt ihr sie nicht beim Schnorcheln weiter wegschwimmen lassen? Warum habt ihr bei jedem Ausflug gewartet, bis sie wieder da war? Bei „Kudernatschs Kautsch“ damals hat mir Dagmar Frederic zugeflüstert: „Wenn du nicht sofort mit dem Scheiß aufhörst und richtige Fragen stellst, dann geh ich.“ Deshalb müssen nun noch ein paar Fragen folgen: Stimmt es, dass Ihre Tochter groß geworden ist und deshalb „Maxie“ heißt? Können Sie noch Pillen drehen – so als Notberuf? Ist die Frisur echt? Und Evita – ist das nicht schon Madonna? Ich habe das alles gefragt – Antworten gab’s nicht. Dagmar sagte nur: „Sie sind nicht witzig!“ – Worauf ich entgegnete: „Dann haben wir ja etwas gemeinsam.“ Dagmar Frederic – hui oder pfui? Votet hier, was Ihr denkt! (Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Nr. 2/2006)
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