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Die Kolumne Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es: Da siehst du alt aus!
Dieser Herbst ist ein Pustefix. Er bläst einfach alles weg, was ihm nicht in den Kram passt. Kudernatsch pustet mit. Immer, wenn Herbst ist, wird mir ganz komisch. Alles ist grau – so wie früher – und man fühlt sich auch so. Wie ein Opa von der Seniorenvereinigung „Herbstlaub e.V.“, die rüstige Kulturprogramme, die niemand sehen will, auf die zittrigen Beine stellt. Bitte nicht! Höchstens zu Halloween, da kann man sich die Latex-Masken sparen. Die meisten Mitwirkenden der Ü70 sehen sowieso wie Lordi aus. So, und die alten Leute, die die kleine Schrift bis hierhin lesen konn-ten und sich jetzt ärgern, weil sie wie finnische Ätzrocker rüber-kommen, müssen sich nicht ärgern. Wir werden ja auch mal so schrumpelig. Nur ein paar kleine Neuerungen kommen hinzu. Wenn wir alt sind, gibt es ganz viele Rentner mit Tätowierungen und Blech im Wanst und haufenweise Omas mit Arschgeweih. Das passt dann hervorragend zum röhrenden Hirsch an der Wand, vielleicht auch auf dem Retro-Umhängebeutel. Thüringen könnte einen neuen Blues-Schub erleben. Um nicht zu sagen, einen Blues-Herbst. Im Herbst denkt man zurück – an den Sommer, als alle Platz 3 waren, als Grass noch ohne Bedenken mit SS geschrieben wurde und Thüringen noch richtige Theater hatte. Kulturelle Nudelhölzer juckt das nicht, die haben sogar bereits vergessen, dass es mal Siemens-Handys gab. So runter ist der Akku im Kopf. Apropos, heute gaukelt ja so mancher Handy-Verkäufer großen Fleiß für funktionstüchtige Vorführmodelle vor, schließt die Buchte einfach zu und hängt ein Schild an die Tür: „Bin laden“. Auch der Herbst ist nicht mehr das, was er mal war. Früher blies er ein paar Blätter weg, heute müssen es gleich ein paar Dächer sein wie im schönen Quirla bei Jena. Dort tobte kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit ein Tornado. Und nun stehen da einige Einfamilienhäuser, in denen die Formulierung „Offene Küche“ eine ziemlich überraschend neue Bedeutung hat. Wenigstens erübrigt sich die Dunstabzugshaube. Öko ging es weiter. Wenn erst mal alle weg sind, könnten wir wieder wilde Tiere hier ansiedeln. In Nordrhein-Westfalen setzt man bereits jetzt tatsächlich Wisente aus, dabei wären die bei uns viel besser aufgehoben. Immerhin wurden in der DDR Jeanshosen aus ihnen gemacht! Die haben also noch eine Rechnung mit uns offen. (Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Nr. 10/2006)
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