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Die Gagstanze

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Mäuschen und Schnuckelchen

Kürzlich erhielt ich eine zornige E-Mail. Ich hatte die singende Erfurterin Christina Rommel als „Schlagermäuschen“ bezeichnet.

Das empfand ihr Management als Frechheit und Beleidigung und räumte mir eine Frist von drei Tagen ein. Was danach folgen sollte, blieb offen. Vermutlich war es die Exekution in Form einer Steinigung mit Schlager-CDs. Ich kann da nur rätseln.

Kudernatsch rommelt

Um dem sicheren Tod zu entgehen, reagierte ich sofort und antwortete den Profis im Musikbusiness: „Bei dem Begriff Schlagermäuschen handelt es sich keinesfalls um eine Frechheit. Vielmehr ist damit gemeint, dass Christina Rommel durchaus sehr attraktiv, nett, jung, hübsch und niedlich ist – eben ein "süßes Mäuschen". Ein geläufiger Ausdruck, den man umgangssprachlich (und als Koseform) nutzt.“

Natürlich bin ich mit Christina Rommel nicht so verbandelt, dass ich sie kosen müsste. Natürlich wäre ich es gerne, denn sie sieht sehr gut aus und hat bestimmt viele Freifahrten mit der Straßenbahn, da die Verkehrsbetriebe Erfurt sie fördern.

Ich verspreche, ich würde niemals „Wüstenfüchslein“ zu Christina Rommel sagen und erst recht nicht eine fiese Geschmacklosigkeit wie den Kalauer „Schlagersüßtafel“. Erst recht würde ich keinen Scherzanruf machen und mich an ihre Arbeitsstelle, die IKK Thüringen wenden, wo sie sich rührend um Herzleiden kümmert, um in den Hörer zu tröten: „Huhu, hier ist der Herzkasper!“ So einer bin ich nicht. Ich würde Christina Rommel nicht einmal als „Schnuckelchen“ bezeichnen Vielmehr wünsche ich der Künstlerin allzeit eine sichere Heimreise und schartenfreie Aufenthalte in den Charts.

Ich weiß nicht, wer es noch weiß, ich weiß nur, dass einst Jeanette Biedermann das Schnuckelchen war. Das durfte man ungestraft sagen – man musste es sogar, um anfangs zu wissen, wer Jeanette Biedermann überhaupt war. Die Bildzeitung hatte sie entdeckt und peppelte das Schnuckelchen mächtig auf. Heute posiert Jeanette Biedermann auf Plakaten in Lederwäsche vor einem Großbrand im Hintergrund. Ich vermute, das bedeutet, dass sie unglaublich heiß ist. Aus dem Schni-Schna-Schnuckelchen ist ein Flämmchen gewachsen, das zur Flamme wurde. Biedermann und die Brandstifter, würde der Kulturfreund anfügen. Mag sein, aber immerhin durfte man zu dieser Künstlerin Schnuckelchen sagen. Und es hat etwas gebracht!

Da könnte man nun höflich beim Management von Christina Rommel anfragen, ob das vielleicht ein passender Titel für unsere Sängerin wäre – das „Erfurter Schnuckelchen“. Ich bin mir sehr unsicher und möchte mir keinesfalls neuen Zorn zuziehen.

Nur von „Rock-Röhre“ möchte ich geschwind noch abraten. Eine Frau als Röhre zu bezeichnen, ziemt sich nicht – da denkt so manche Dumpfbacke sogleich an den Braten in Röhre. Buh! Am besten rede ich gar nicht mehr von Thüringer Schlagersängerinnen. Und das empfehle ich allen: Schweigt über sie! Denkt gar nicht daran! Macht einen Bogen um sie! Hört Blasmusik! Und aus die Maus!

(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Ausgabe 03/2005)

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