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Die Kolumne

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Apolle und Apollo

Hund
Jetzt enthülle ich, in was Apolda verstrickt ist und welche Masche man da abzieht. Der Kenner sagt natürlich Apolle statt Apolda. Das sollte man nicht mit Apollo verwechseln, obwohl wenn man einmal in Apolle gelandet ist, wünscht man sich glatt auf den Mond. Doch verlassen wir schnell die beiden unwirtlichen Orte und hüpfen wir ins krasse Gegenteil – sagen wir: nach Hawaii.

Dort gibt es zwar kein Bier, aber den Privatdetektiv Magnum und seinen kratzbürstigen Freund Higgins. Beide kennt man aus vielen Staffeln einer amerikanischen Serie mit einem knallroten Ferrari als Hauptdarsteller. Higgins besitzt nun zwei Dobermänner, die er zu gern auf Magnum hetzt, wenn dieser dem Ferrari zu nah kommt. Und wie heißen diese Rüden? – Zeus und Apolle! Das versteht man deutlich, wenn man die Serie im Originalton schaut. Aber lassen wir Zeus ausnahmsweise mal links liegen, kümmern wir uns um Apolle.

Der Dobermann Apolle taucht also mitten in einer US-Serie auf, als der eiserne Vorhang noch schwer durchhängt – und das ist mit Sicherheit kein Zufall, sondern subversive Unterwanderung des Westfernsehens! Apolda hat es als Apolle bis Amerika geschafft – das können KGB, RGW, USB, UVP, UKW – und wie sie alle heißen – nur gemeinsam hinbekommen haben!

Denn auch die Besetzung des Serienhundes ist pure Absicht. Es hätte ein Pudel, ein Pekinese, ein Pinscher, ein Collie, ein Schäferhund sein können. Aber nein, es ist ein Dobermann, der hier mitspielen und Magnum, den imperialistischen Halodri, in die kurze Hose zwicken darf. Der Hund heißt Apolle – und damit nicht genug: Diese ganze Hunderasse stammt aus Apolle!

Von 1834 bis 1894 lebte in Apolda glücklich und zufrieden der Hundefänger Carl Friedrich Louis Dobermann. Er fing fleißig und packte Pinscher, Weimaraner, sogenannte Vorstehhunde  – die sicherlich so heißen, weil sie einen ausgestülpten Überbiss haben – und ein paar Vertreter der Landbevölkerung zusammen. Aus dieser Mischung entstanden mehrere schlimme Biss- und Kratzwunden und eine neue Hundeart – die nach dem einstigen Hundefänger Dobermann genannt wurde, weil er sich am meisten einbrachte.

Wer es nicht glaubt, kann sofort nach Apolda fahren, wo ein Dobermann-Denkmal stolz daran erinnert. Man stellt sich am besten davor und sagt ganz laut: „Wau!“ Oder man hebt sogar das Beinchen – die Anwohner würden sich sehr über diese besondere Ehrung freuen.

Man kann also nur staunen über dieses einzigartige Politikum in der Filmgeschichte! Apolda macht Hollywood zu Hollyschutt. Ein Thüringer Hund mit einem Thüringer Namen infiltriert die amerikanische Fernsehindustrie der 80-er Jahre und beißt sie weg, die fragwürdigen Schmierenkomödianten ohne Vorbildwirkung!

Ich stecke voller Bewunderung für Apolda, seitdem ich all dies weiß. Gern würde ich der Stadt einen Hundekuchen backen, aber das Backen beherrsche ich leider nicht. So müssen Worte genügen. Es stimmt wirklich: In Apolda liegt der Hund begraben.

(Kudernatschs Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Nr. 11/2009)

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