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Die Gagstanze

Jeden Monat stanzen Kudernatsch & Co hier etwas Neues für euch zurecht. Diesmal heißt es:

Adolf Late Night

Heilöchen! Im Fernsehen sind Hitler-Festspiele. Irgendwo läuft immer was zum Führer, sogar ganz ohne Bruno Ganz und Guido Knopp.

Ohne den Kino-Hitler und ohne den Doku-Hitler wurde neulich „Hitlers Hitparade“ bei ARTE oder 3SAT gesendet, dann schlossen sich „Hitlers Hetzer“ in der ARD an (wahrscheinlich, weil Hitlers Hunde und Hitlers Heizer nicht wollten) – und nach dem Ende der deutschen Spaß-Frau Anke Engelke folgt in Kürze mit Sicherheit Adolf Late Night: „Ab 22.30 Uhr wird zurrrrückgesendet!“

In der Führerrolle sind dann wechselnde Comedians zu erleben. Die machen doch längst alle in Hitler – selbst Hella von Sinnen spielt ihn (und manche Zuschauer fragen sich da: „Ist der Schnauzbart echt?“).
Der Komiker Olaf Schubert zieht sogar den 20. Juli 1944 durch den Kakao und lässt Stauffenberg sagen: „Heil Hitler, Herr Hitler!“ Wenn der Angesprochene dann fragt, was denn da in Stauffenbergs Tasche tickt, erwidert der Oberst: „Das ist eine Bombe, äh, eine Bombenüberraschung, Herr Hitler.“

Da durfte Hitler an der „Wahl der Besten Deutschen“ im deutschen Fernsehen nicht teilnehmen – und jetzt ist er präsent wie nie zuvor. Alle Programme haben ihren Hitler. Man braucht nur noch den Ton abzustellen und Gardinen an den Fernseher zu binden. Dann ist es für die liebe Omama wie früher, wenn man aus dem Fenster guckte.
Hitler ist wieder im Geschäft und – obwohl persönlich verhindert –gesellschaftlich aktiv und angesagt. Das will keiner verschlafen. Bald schon gibt’s beim Bäcker Hitler-Hörnchen, Brummi-Fahrer sitzen wieder im Führerhäuschen, H&M wird H&J, Dresden kriegt ein „Braunes Gewölbe“ und die Schöpfungsgeschichte neue Helden: Adolf und Eva. Und – wir alle haben es erlebt – in Weimar werden wieder Bücher verbrannt.

Wobei das noch zu beweisen wäre, dass das bei Anna Amalia wirklich Bücher waren. Vielleicht sind die großen Schätze der Bibliothek längst nach Amerika verkauft worden und man hat stattdessen Altpapierbündel eingelagert, die nun verkokelt sind. Alte 80-er-Jahre-Ausgaben vom „Neuen Deutschland“ und der „Jungen Welt“ – jetzt werden sie mühevoll restauriert und wieder zu dem gemacht, was sie gewesen sein sollen. Zum Beispiel eine Luther-Bibel. Also nicht wundern, wenn dann zwischen den Zeilen in den Evangelien übererfüllte Pläne und der Staatsratsvorsitzende auftauchen, unser Genosse Erich Honecker. Da ist nur das Alte durchgekommen. Aber lieber EH als AH.

(Kudernatschs Satirische Kolumne. Aus: Blitz! Das Stadtmagazin für Erfurt, Jena und Weimar. Ausgabe 10/2004)

 

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